Ausgabe 09.2011 - 8. Jg. - Heft 15

Europa: Das Schuldenproblem ist eine Krise der Institutionen
Dr. Konrad Hummler, Wegelin & Co. Privatbankiers, St. Gallen/Schweiz

Die Staatsschuldenkrise und der Wertzerfall des Euro sind nur Symptome eines tiefgreifenden Führungsproblems der EU. Die Schweiz muss inmitten dieser kriselnden Region die Balance zwischen Eigenständigkeit und Zusammenarbeit finden. Ohne die aktuelle Politik der Schweizerischen Nationalbank zu werten, rät der neue Wegelin Anlagekommentar den Anlegern, die Währungsdiversifikation ihres Portfolios dringend zu überprüfen, denn der Schweizer Franken ist zum Quasi-Euro geworden.

Je lauter europäische Politiker die Rettung überschuldeter Mitgliedsländer verkünden, desto weniger überzeugen sie die Finanzmärkte, die mit starken Turbulenzen reagieren. Ob die Probleme durch eine wettbewerbsschwache Transferunion und mehr Zentralisierung mit neuen gemeinsamen Institutionen gelöst würden, ist ungewiss. Sicher ist, dass nur mit einer starken Führung die grossen rechtlichen, ökonomischen, sozialen und mentalen Unterschiede angeglichen oder mittels Ausgleichzahlungen überbrückt werden könnten.

Für Europa ergeben sich aktuell drei Szenarien: Erstens gelingt die Rettung des Euro aller Evidenz zum Trotz dank Schuldensanierung und Wachstum, zweitens werden geordnet oder ungeordnet verschuldete Länder aus der Eurozone verabschiedet oder es entsteht drittens ein zentralistischer Bundesstaat, der von einzelnen Ländern dominiert oder demokratisch geführt wird. Jedes Szenario ist von gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Unsicherheit begleitet, welche die Investitionstätigkeit lähmt. In der Konsequenz wird Europa ärmer, während Schwellen- und Entwicklungsländer dank Leistungsbereitschaft, dem Aufbrechen hergebrachter Strukturen und technologischer Revolution reicher werden. Die Schweiz muss in dieser Situation rasch zu einem Abwägen zwischen einer entschiedenen Verteidigung der Eigenständigkeit und pragmatischer Zusammenarbeit finden.

Aufgrund des Wertzerfalls des Euro hat die Schweizerische Notenbank eine Obergrenze für den Wechselkurs festgelegt. Ohne diese Politik werten zu wollen, ist die Überprüfung des Portfolios für den Anleger zwingend: Durch das entfallende Aufwertungspotential hat der Schweizer Franken gegenüber dem Euro massiv an Attraktivität verloren und ist mit diesem austauschbar geworden. Der Anlagekommentar nennt Währungsalternativen, um die gerade in Krisenzeiten essentielle Diversifikation aufrecht zu halten.

* Anmerkung der Redaktion:
Der Anlagekommentar von Wegelin & Co. Privatbankiers wird mit freundlicher Genehmigung nachfolgend in diesem Heft abgedruckt.

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